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Ostpreußen, Masuren und Lyck haben in ihrer 750 jährigen Geschichte viel ausgestanden; die Tataren (1656), die große Pest (1709), usw. Wird Masuren und Lyck das nachfolgend Geschilderte überstehen?
Es folgt eine Abschrift eines Zustandsberichts aus dem Jahre 1946.. Interpunktion, Absätze und sonstige Zeichen habe ich beibehalten. Ein Teil am Schluß fehlt, den habe ich noch nicht
aufgefunden. Im Original: Bericht über Lyck
Im Februar 1946
traf ich einen ostpreußischen Flüchtling in Berlin, der mir über das Schicksal meiner geliebten Heimat erschöpfend erzählte.. Mit seiner Familie war er Mitte
Januar 1946 aus Masuren ausgewandert, nachdem er seine letzten Lebensmittel aufgebraucht hatte.. Sein Gesicht war müde, ausgezehrt
- und in seinen Blicken flackerte eine resignierte Hast, die in auffälligem Gegensatz zu seiner ruhigen, gesetzten Stimme stand; er berichtete - von vielen Zwischenfragen unterbrochen - wie die augenblicklichen und vorangegangenen Verhältnisse in unserer lieben Heimatstadt Lyck waren.-
Im Januar sah er die Stadt zum letzten Male. Sein letzter Wohnort war Sieden im Kreis Lyck.
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In Sieden ist fast alles niedergebrannt. Einzelne Unterkünfte sind noch bewohnbar.. Zielassen, auf der Strecke nach Treuburg gelegen, wurde verbrannt.. Das Dorf Sentken ist bis auf zwei Gehöfte ausgebrannt; das Anwesen von Purwien steht noch.
Ebenfelde ist bis auf die Kirche restlos dem Feuer ausgeliefert worden.
Kulessen Kreis Lyck ist infolge seiner abgelegenen Lage vollständig erhalten geblieben. Der alte Herr Grigo war dort zurückgeblieben und starb später. Er wurde ordentlich bestattet - und hatte sogar einen Pfarrer an seinem Grabe......
Mein Gewährsmann berichtete, dass auf besondere Anweisung die Kirchen in den Städten und Dörfern verschont wurden.
In Romanowen ist sehr viel zerstört. Borschimmen vernichtet. Geigenau und Lissau stehen teilweise noch..--
"Wenn ich
- so erzählte dieser ostpreußiche Flüchtling - von Sieden nach Lyck fuhr ( ein Fohlen hatte man mir noch gelassen), um Getreide gegen Lebensmittel zu umtauschen, dann drückte mich ein furchtbares Gefühl des Verlassenseins beim Anblick der von hohem Unkraut überwucherten Felder links und rechts der Landstrasse nieder."
In Lyck selbst, so erzählte Herr L. weiter, hatte ich immer das Gefühl, vollkommen überflüssig zu sein -
und wenn die Polen gewusst hätten, dass ein Deutscher unter ihnen stände, sie hätten mir auch noch das Letzte genommen.
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Es war erschütternd zu hören, dass unsere Heimatstadt nicht durch Kampfhandlungen zerstört wurde, sondern als die russischen Truppen Lyck verlassen mussten (und Umgebung) da warfen sie Feuer in die Straßenzüge und liessen unsere Wohnstätten in Flammen aufgehen.-
Ich will versuchen, die Zerstörungen, soweit sie durch diesen Augenzeugen bestätigt worden sind, mit tiefer Bitterkeit zu schildern!
Der Bahnhof von Lyck ist zerstört.
Bahnverkehr geht jetzt innerhalb der polnischen und russischen Zone Ostpreussens auf einer eingleisigen Strecke von Lyck über Lötzen, Rastenburg, Korschen nach Allenstein, dass die Polen als "zweites Warschau" bezeichnen.- Allenstein und Umgebung sind nach den Angaben meines Gewährsmannes ebenfalls stark verwüstet und hauptsächlich von russischen Truppen ausgeplündert...
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.... Wenn wir die Hindenburgstraße nach dem Markt zu ins Auge
fassen, erblicken wir auf der linken Seite die Ruinen des Bahnhofhotels und wenig weiter die Trümmer des Kronprinzen.- Von der Bahn bis zur Strasse, welche nach dem Proviantamt führt - und weiter bis zur
Blücherstrasse stehen alle Gebäude auf der rechten Strassenseite, zum Teil leicht beschädigt. Gegenüber dem Lenz´schen Haus nach Korbanka zu und entgegengesetzt zum alten Schupoplatz -
darunter auch das altvertraute Café Jenzowski - sind die Gebäude niedergebrannt.- Das Anwesen von Bensch, Zigarrengeschäft Hugo Baltrusch, Kaufmann Tolkemitt, dann der "Kaiserhof" und die anschliessenden Häuser bis zur Morgenstrasse herauf, sie sind von der Feuersbrunst verschont geblieben. - Die Blücherstrasse steht zum grössten Teile noch; das Eckhaus von Frau Adamski (Bismarckstrasse-Blücherstraße) ist zerstört.- Bismarckstrasse 69, die Molkerei, weiter herauf die Neubauten bis zur Ecke Danzigerstrasse, darunter das Haus von Segatz, Feinkosthandlung Kassing, sind grösstenteils ein Opfer der Flammen geworden.-
Hentschel und die Kammerlichtspiele stehen noch. Das Haus mit der Fleischerei Jakubczyk gegenüber Hentschel blieb erhalten. -
Die Kasernen sind ebenfalls unversehrt geblieben, desgleichen die Wohnhäuser um den Yorckplatz herum; ob die Knabenschule noch steht, wusste mein Gewährsmann nicht.-
Beide Kirchen in Lyck und das Gebetshaus der baptistischen Gemeinde sind erhalten geblieben..
Das Haus von Sanitätsrat Dr. Czygan und auch die Post stehen noch. Die Drogerie Pulter gegenüber der Post und der sich anschliessende Gebäudekomplex sind stehengeblieben. Bei Pulter haben sich die Polen häuslich im Laden niedergelassen.- In der Falkenstrasse stehen ausser dem Arbeitsamt die gegenüberliegenden Gebäude, teilweise stark beschädigt.-
Von der alten Turnhalle herauf zur ehemaligen Kreis- und Stadtsparkasse, vorbei an Rogalla, der stehengebliebenen Bank der ostpreussischen Landschaft und dem Haus Dr. Hellgardt, der übrigens lebt und in Stendal mit seiner Familie wohnt, sind die Häuser gering beschädigt.-
Café "Otto" gegenüber der Post steht.
Gegenüber dem alten Gymnasium und der Kirche sind die Häuser bis auf die Grundmauern zerstört. Unter ihnen befinden sich die Geschäfte von Juwelier Adam, Elfriede Rattay und das Modehaus Kühn.
Das Rathaus wurde verbrannt. Das Güntherdenkmal auf dem Marktplatz wurde geschleift.
Die Kaiser-Wilhelm-Strasse, so berichtete mein Gewährsmann, bietet das Bild völliger Zerstörung. die Häuser von Frick, Heinrich, Lendzian - um nur einige bekannte zu nennen - sind restlos ausgebrannt. Als einzige Baulichkeiten stehen noch das Hotel "Königsberger Hof", das Gebäude, in welchem die Konditorei "Stamm" ihre Räume hatte und gegenüber zum Eingang der Bismarckstrasse die Fleischerei Kullik und der Spielwarenladen von Priess.
Alles andere ist bis zum Töpferende nur noch ein Gewirr von Trümmern, verkohlten Balken, umhergestreutem Hausrat und Häusergerippen.-
Die Ernst-Moritz-Arndt-Schule, die als Lazarett eingerichtet worden war, wurde mit seinen Nebengebäuden eingeäschert.- In der Ernst-Moritz-Arndt-Strasse ducken sich noch vereinzelte, stehengebliebene Villen vor der Zerstörung, die um sie ist.. Der Wasserturm ist in Mitleidenschaft gezogen worden, steht aber noch. Die Handelsschule ist beschädigt. Die gegenüberliegende Landwirtschaftsschule steht unbeschädigt da..
Von der Bismarckstrasse sind erhalten geblieben: "Masurenbote", weiter die Häuser bis zum Soldauerweg, darunter die Kohlenhandlung von Leo
Busolt´s Nachfolger, das Haus von Milbradts... Die Genossenschaft gegenüber, die Häuser bis zum Krankenhaus, darunter die Apotheke von Mehl sind stark verwüstet. Das Krankenhaus ist unversehrt geblieben, dagegen die
gegenüberliegenden Wohnhäuser sehr stark beschädigt und kaum bewohnbar.. Auf dem Luisenplatz steht das Haus, in welchem Dr. Steinberg seine Praxis hatte. Die andere Seite des Luisenplatzes ist schwer beschädigt.-
Der Soldauer Weg, Memeler-Weg und die Danzigerstrasse sind vollständig verschont geblieben. Das Landratsamt, die Mädchenschule, das Gebäude der Allgemeinen Ort- und Landeskasse, das Feuerwehrdepot, die Villa von Dr. Pfeiffer stehen unversehrt da. Im Landratsamt haben sich....(Der Rest fehlt)
Die mir teilweise unbekannte Interpunktion stammt vom Orginal.
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