Prußen und Sudauer

 

Prußen / Sudauer in bisherigen Siedlungsräumen, erste Bekehrungsversuche
Erscheinen der Slawen. (600—1230 n. Chr.)

 In Berichten des 6. Jahrhunderts taucht der bereits von Tacitus angeführte Name unserer Vorfahren, der ,,Ästii“, wieder auf. So erwähnt um 520 n. Chr. der spätrömische Schriftsteller Cassiodor in seinem Bericht (Varias 5,2) eine Ge­sandtschaft der ,,Ästier an den Ostgotenkönig Theoderich.

Der Gote Jordanes berichtet in seiner Gotengeschichte (Getica 23,170) um 550 n. Chr., daß die ,,Ästiorum gentes“ die lange Küste der ,,germanischen Meere hinter der Weichselmündung“ bewohnten; er nennt die ,,Vidarier“ als westliche Nachbarn der ,,Astii“. Die ,,Vidarier“ waren keine Slawen, sondern Reste der ger­manischen Völker, also Goten und Gepiden.

Erst Einhard nennt in seiner ,,Vita Caroli Magni“ (Anfang des 9. Jahrhun­derts) neben den ,,Ästii“ die ,,Sclavi“ als Anwohner der Ostsee.

Der angelsächsische oder wikingische Seefahrer Wulfst an, der etwa um 890 von der Küste Schleswigs (Heithabu) aus bis nach Truso bei Elbing gefahren war, bezeichnet das Land rechts der Weichsel als ,,Eastenland“, während er das Gebiet westlich der Weichsel ,,Wendenland“, also Slawenland nennt.

Um 965, mithin 75 Jahre nach Wulfst an besuchte der spanische Jude Ibrahim ibn Jaqub von Magdeburg aus im Auftrage Kaiser Ottos des Großen die östli­chen Länder des Deutschen Reiches, darunter die östlichen Nachbarn der Slawen das Volk der ,, B r u s“. Hier taucht zum erstenmal der Name des Prußenlandes auf. In seinem Bericht heißt es u. a.: ,,Es grenzen an Meschegge ( Polnischer König Mieszko I., 960—992) im Osten die Rus und im Norden die Brus“. Die Wohnsitze der ,,Brusssind am ,,Weltmeer“. Sie haben eine Sprache für sich. Die Sprachen ihrer Nachbarn verstehen sie nicht.

Der gleiche polnische König Mieszko I. nennt in seiner Schenkungsurkunde an Papst Johann XV. (985—996) seine nördlich wohnenden Nachbarn ,,Pruzze“; hinfort waren Namen ,,Prusi, Pruzzi, Pruci, Pruteni, Prutones“ und ähnliche Bezeichnungen für die Bewohner des Gebietes östlich des Unterlaufs der Weichsel üblich geworden.

Ostpreußen 8000 v.d.Z. 
 in Lyck Jüngere Steinzeit 
 in Lyck Lyck um 1000  
 v.d.Z. 600 bis1230 
 in Lyck Lyck unter dem 
  Orden Lyck in der 
 Herzogenzeit Lyck unter den 
 Hohenzollern

 

Seit etwa 600 n. Chr. drangen in die von Ostgermanen verlassenen Gebiete Ostdeutschlands bis an die Elbe-Saale-Linie und an die Ostsee westlich der unteren Weichsel nach und nach meist kampflos westslawische Völker vor. Sie kamen aus der Urheimat der Slawen, dem Gebiet zwischen den Karpaten, dem mittleren Dnjepr und den Pripjet-Sümpfen. Siedelten Westslawen, Wenden so die Wag­rier in Ostholstein, die Obotriten in Mecklenburg, die Wilsen in Berlin! Brandenburg, die Sorben in Sachsen und Thüringen, die Lausitzer in der Niederlausitz und die Dalaminzier und Milsanen in der Oberlausitz, so drangen die P o m o ran e n nach Pommern und Pommerellen, westlich und süd­westlich von Danzig, die Polanen um die Warthe, die Kuj awier südlich und südwestliche Thorn, die Masowier um Plock und Warschau und mehrere west­slawische Stämme u. a. die Dedosizen in Niederschlesien, die Slenzanen in Mittelschlesien, die Opol in e n um Oppeln und die Sole n si z e n um Leobschütz bis zur Mährischen Pforte vor. (Anbei Karte aus dem 9. Jahrhundert.) Tschechen übernahmen Böhmen und Mähren und die bereits erwähnten ,, R u s“ , die ostslawi­schen Russen waren die östlichen Nachbarn von Masowier und Polen, in Weißruß­land und der nördlichen Ukraine.

Die baltischen Völker, die Prußen, Litauer, Letten und Kuren, die öst­lich der Weichsel und nördlich der Siedlungsgebiete der Masowier saßen, mußten sich etwa ab 700 n. Chr. ganz besonders zwischen 900 und 1200 der heftigen An­griffe slawischer Völker erwehren. Im Westen und Südwesten des Prußenlandes versuchten die westslawischen Pomoran e n und die Polen in das Land der Prußen einzudringen.

Die Prußenstämme der Galinder und der Sudauer, auch Jatwinger genannt, waren in ständige Angriffe der Masowier, Polen und Russen besonders stark verwickelt. So ist es verständlich, daß die Sudaue r zahlreiche Burgwälle, auch später ,,Schloßberge“ oder ,,Schwedenschanze“ genannt, gebaut haben. Diese sind noch heute Zeugen der schweren Abwehrkämpfe unserer Vorfahren. Hier waren Verteidigungsanlagen oft mit einem Wall und einem Palisadenzaun aus Holz als Fliehburgen errichtet worden.

Diese Burgen waren auf Hügeln mit recht steil abtallenden Hängen angelegt worden; einige sind am Seeufer auf Hängen errichtet. Innerhalb des Walles wurden vielfach Vertiefungen zum Auffangen von Regenwasser entdeckt; bei einigen sind noch in jüngster Zeit Feuerstellen innerhalb des Walles festgestellt worden.

Im Kreise L y c k gab es zahlreiche Burgwälle, so in Willenheim, an der Kreis­grenze bei Gorlau, in Jucha, Rogallen, Dippelsee, bei Seeliggen, Schönhorst, Eichensee, Waldwerder und Deumenrode. Besonders eindrucksvoll ist der Berg bei T h alu ss e n; auf dieser markanten Höhe wurde ein eindrucksvoller Heldenfried­hof nach dem 1. Weltkrieg angelegt. Auch bei Stradaunen lag ein sudauischer Burgwall; am Selmentsee waren sogar drei Sudauische Burgen angelegt. Der Atlas von Mortensen/Wenskus zeigt außerdem Hügel, bei denen es zweifelhaft ist, ob es sich um sudauische Wehranlagen handelt, so bei Lisken, der spätere Heldenfried­hof an der Straße Jucha—Alt-Kriewen und bei Laschmieden. Den ,,Morgenberg“ am Gr. Margen-See bei Grabnick halten Lycker Historiker wie Pogoda und Kotzan für eine sudauische Wehranlage.

Der bekannteste sudauische Burgwall dürfte wohl die Skomand -Burg am Süd-ufer des Skomantsee sein. Von hier aus leistete der Sudauerfürst Skomand dem vordringenden Deutschen Ritterorden in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbitterten Widerstand.

In der ,,Romotter Schlucht“ bei Heldenfelde war, wie Joachim Witschel berich­tete, eine Prußenburg auf einer Anhöhe südlich der Skomantburg umgeben von See und Sumpfwiesen; im Südosten dieses Burgwalles standen 3 mächtige Wacholder-bäume, in unserer Heimat auch Kadick genannt; hier war zur Prußenzeit das Hei­ligtum ,,Romowe“.

Obwohl die Ostseeküste von der Kieler Bucht bis zur Weichsel slawisch geworden war, ist die Ostsee damals ebensowenig wie in späterer Zeit ein slawisches Meer gewesen. Die Prußen und die andern an der Ostsee lebenden baltischen und finni­schen Völker haben wohl nur Fischfang betrieben. Die Ostsee blieb ein germani­sches Meer! Dafür sorgten Friesen, dänische und schwedische Wikinger und da­nach die deutsche Hanse.

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 in Lyck Jüngere Steinzeit 
 in Lyck Lyck um 1000  
 v.d.Z. 600 bis1230 
 in Lyck Lyck unter dem 
  Orden Lyck in der 
 Herzogenzeit Lyck unter den 
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Die Wikinger unternahmen von Skandinavien aus Vorstöße nach Süden und Südosten; es waren Raub- und Handelszüge, sie schufen aber auch eine Reihe von Handelsplätzen und Stützpunkten an der Ostseeküste von Schleswig (Heithabu) bis zum Ladogasee. Gotländische und schwedische Wikinger gründeten u. a. Plätze in Truso beiElbing, Wiskiauten beiCranzund Linkuhnen inderMemel­niederung. Von hier aus trieben sie lebhaften Handel mit den Prußen; zahlreiche Funde beweisen das. Im Kreise Lyck sind 2 Wikingerfunde gemacht worden: 1 Bart-axt bei Lyck und 1 Lunula-Anhänger bei Bunhausen (Plotzitznen). Die Wikinger in Ostpreußen sind schließlich im prußischen Volkstum aufgegangen.

Auf den Einfluß der Wikinger ist sicherlich die Edelmetallverarbeitung zurück­zuführen. Russische Chronisten, so die Hepatius-Chronik haben vom Silberreich­tum der Sudauer und vom lebhaften Handel mit diesen berichtet.

Da sind einmal die Silberfunde bei Olschöwen, Kr. Treuburg mit 3 Silberbän­dem, die Diademen ähneln, 4 größeren Silberbarren und 12 mit Kerben versehenen, kleineren Silberbarren zu nennen.

Zum anderen wurde bei Giersfelde im Jahre 1935 ein aus reinem Silber wunder­schön gearbeitetes doppelspiraliges Armband gefunden, das an einem Ende einen plattgehaltenen Schlangenkopf darstellte.

Besonders bedeutsam ist schließlich der ,,Silberfund von Skomanten“, der wert­vollste größte und prächtigste aller Silberfunde aus dem Sudauerland! Im Jahre 1929 stieß Bauer Jeziorski beim Ausheben von Rübenmieten unweit seines Anwe­sens auf ein Metallgefäß, auf dem ein schwerer Deckstein ruhte. Neben Resten ei­nes Leichenbrandes kamen gleißende Schmuckstücke aus weißem Silber, so weiß und leuchtend, als wären sie erst kürzlich dem Boden anvertraut, zum Vorschein. Die Fundumstände lassen darauf schließen, daß es sich hier um ein Grab einer su­dauischen Fürstin handelt. Die Burg des sudauischen Fürstengeschlechts 5 ko -man d lag in der Nähe. Sämtliche Fundstücke sind aus gediegenem Silber gearbei­tet mit einem Gesamtgewicht von 674,8 g

,,Der Halsschmuck besteht aus 17 längs- und quergerieften Hohlperlen von Doppel­eichelform und 17 Anhängern von der Form eines gleicharmigen Kreuzes, die mitein­ander abwechselten.

Die Armspiralen, deren aus drei Drähten geflochtenen vier Windungen am oberen und unteren Ende in je eine plattgehämmerte Silberblechzunge auslaufen, die mit Punkt reihen, Hohl buckeln und Hohl grübchen verziert ist, sind einander völlig gleich.

Dagegen sind die Hufrisenfibeln von verschiedener Größe, eine besitzt 7,9 Zentime­ter, die kleinere 6,9 Zentimeter Außendurchmesser. Ihre Bügel sind aus vier 0,3 Zen­timeter starken, aus Silberdraht gedrehten Schnüren geflochten, die wiederum von ganz dünnen Silberschnüren durchzogen sind. Die Bügelenden laufen in stark stili­sierte Drachenköpfe aus, die mit Punktreihenornamenten verziert sind. «

 Diese Schmuckformen gehen sicherlich auf Wikinger Vorbilder zurück; letzten Endes sind es bodenständige, sudauische Kunstgewerbeerzeugnisse etwa des 12. Jahrhunderts n. Chr.

Die letzten Überreste der verstorbenen Sudauerfürstin wurden nicht einer irdenen Urne anvertraut, die Tote aus dem Herrschergeschlecht sollte besonders ge­ehrt werden, deshalb wurde ein Gefäß aus Kupferstreifen gefertigt, das auch die ei­ner Fürstin würdigen Schmuckstücke aufnahm.

In dem Lycker Kreiswappen sind zwei Kreuze übereinander zu sehen; ein gleich­armiges weißes Kreuz im schwarzen Feld ist dem Fürstenschmuck von Skomanten entlehnt und ist daher charakteristisch für die Siedlungsperiode der Sudauer im Kreise Lyck. Das schwarze Kreuz auf weißem Grund darunter weist auf den Deutschen Ritterorden hin.

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 in Lyck Jüngere Steinzeit 
 in Lyck Lyck um 1000  
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  Orden Lyck in der 
 Herzogenzeit Lyck unter den 
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Die Prußen haben ursprünglich wohl einen reinen Naturdienstglauben mit Anbetung von Sonne, Mond und Sternen, aber auch von Donner und einigen Tieren wie Schlangen und Kröten gehabt. Später bildete sich eine personifizierte Göt­terwelt heraus. So ist im Christburger Vertrag des Ordens mit den aufständischen Prußen im Jahre 1249 der Name einer Feldgottheit ,,Chorcho“ oder ,,Chur­che“ urkundlich genannt. Die Götternamen ,,Perkunos“ (Gott des Gewitters und der Natur), ,,Potrimpos“ (Gott des Lebens) und ,,Patolln“ oder ,,Pi­ko llos“ (Gott des Todes) erscheinen in Überlieferungen. Sie glaubten an die Un­sterblichkeit und an ein Fortleben nach dem Tode, wie es zahlreiche Grabfunde beweisen. Der bereits oben genannte Seefahrer Wulfstan hat die langausgedehn­ten Leichenfeiern der Prußen, die mit Trinkgelagen und Wettspielen verbunden waren, anschaulich geschildert. Sie verehrten ihre Götter in heiligen Hainen oder an geweihten Gewässern8). Ein solches sudauisches Heiligtum war der ,,Opferstein“, ein großer eratischer Block aus der Eiszeit etwa 900 m östlich der Kirche zu Ju­cha. Ein sudauisches Heiligtum war auch ,,Romowe“ bei Heldenfelde; hier waren die drei Wacholderbäume typisch.

Wenn auch die bei C h r ist b u r g gefundene rotgraue aus Granit gemeißelte Sta­tue ,,Potrimpos“ genannt wurde, und als Entstehungszeit das 7. oder 8. Jahrhun­dert angesehen wird, so ist doch nicht eindeutig geklärt, welchem Zweck derartige Steinbilder zur Prußenzeit gedient haben. Steinbilder dieser Art wurden auch bei Gelitten an der Kreisgrenze Treuburg/Lyck und im Kreise Lyck in Blumental und auf dem alten Friedhof in Dreimühlen gefunden. Waren es Götterbil­der oder Grabsteine bedeutender Persönlichkeiten oder waren es Grenzsteine?

Ein Wort zu den staatspolitischen Verhältnissen vor dem Eingreifen des Deut­schen Ritterordens in das Geschehen des Prußenlandes.

Das Kulmerland zwischen Thorn und Graudenz östlich der Weichsel, nördlich anschließend Po m es an i e n, nordöstlich Pogesanien, östlich des Kulmerlan­des Sassen, nördlich davon Barten, am Frischen Haff Warmien mit Braunsberg, Natangen südlich des unteren Pregel und Samland nördlich des Pregel mit Königsberg, östlich um Insterburg N a d rau e n, um die untere Memel bei Tilisit Schalauen, im Süden Galinden und schließlich das größte Gebiet umfassende Sudauen.

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Unsere Vorfahren, die Sudauer, hatten ihre Wohnsitze im Norden und Osten begrenzt durch die Memel, im Süden durch die Flüsse Bobr und Narew, von letz­terem Pissek (Galinde) aufwärts zum Spirdingsee, Löwentin- und Mauer-See, von dort in nordöstlicher Richtung zur Memel. Das sudauische Siedlungsgebiet reichte mithin weit über die Grenzen Ostpreußens hinaus nach Osten und Süden, wie obige Karte zeigt.

Westlich der unteren Weichsel hatte sich das Herzogtum Pommerellen - die Pommern sind keine Polen, sondern Westslawen - bildet, dem sich im Westen über die untere Oder hinaus das Herzogtum Pommern anschlöß. Südlich der Netze zwischen Oder und mittlerer Weichsel war das Königreich Polen entstan­den. Ostlich an dieses schloß sich das Herzogtum Masowien an. Im Osten und Nordosten waren die L i t au er Nachbarn der Sudauer, während östlich der Li­tauer und Masowier/Polen sich russische Fürstentümer gebildet hatten.

Im Jahre 966 trat der polnische König Mieszko 1. wohl aus politischen Grün­den zum Christentum über, nachdem er Lehnsvasall des deutschen Kaisers gewor­den war. Die kirchliche Betreuung seines Landes übernahm das 968 gegründete Erzbistum Magdeburg. Doch bereits im Jahre 1000 errichtete der deutsche Kai­ser Otto III. seinem polnischen Vasallen in Gnesen ein eignes Erzbistum.

Die baltischen Völker Prußen, Litauer und Letten blieben Heiden. Es mangelte nicht an Versuchen, diese zu christianisieren.

So entschloß sich Adalbert von Prag, ein Sproß eines tschechischen Fürsten-hauses, die Prußen für das Christentum zu gewinnen. Über Danzig gelangte er im Frühjahr 997 an das Frische Haff ins Prußenland. Bereits am 3. April 997 erlitt er wahrscheinlich bei Fischhausen im Samland den Märtyrertod.

Wenige Jahre später versuchte der deutsche Graf Bruno von Querfurt von Südosten kommend, die Sudauer zu bekehren. Nach anfänglichen Erfolgen erlitt er mit 18 Gefährten am 9. März 1009 im Ostteil des Kreises Lyck den Märtyrertod. Das Bruno-Kreuz auf dem Tafelberg am Löwentin-See bei Lötzen erinnert an die­sen Märtyrer und dessen Wirken bei unseren Vorfahren, den Sud au er n.

Dann unterblieb fast ein Jahrhundert jeder Christianisierungsversuch bei den Prußen. Erst 1206 nahmen deutsche Zisterzienser aus Polen die Mission im Pru­ßenland wieder auf und zwar mit ausdrücklicher Genehmigung und Unterstüt­zung Roms. Im Jahre 1215 wurde der Zisterzienser Christian von 0 liva erster Preußenbischof. Einmischungen der Nachbarn aus Pommerellen und Polen erreg­ten nunmehr Befürchtungen bei den Prußen für ihre Unabhängigkeit. So erfolgte ab 1218 der Rückschlag bald mit solcher Gewalt, daß nicht nur die bisherigen Erfolge der Heidenmission wieder verloren gingen, die polnischen Erwerbungen im Kulmerland von den Prußen zurückerobert, sondern auch das angrenzende Her­zogtum Masowien angegriffen und in seinem Bestand ernstlich gefährdet wurden.

Auch das Eingreifen des Papstes Honorius III., der den Mönch Christian aus dem polnischen mit deutschen Mönchen besetzten Kloster Lekno imJahre 1215 zum Missionsbischof ernannte und zu Kreuzzügen gegen die heidnischen Länder aufrief, hatten letzten Endes keinen Erfolg. Den Widerstand der Prußen konnte weder Bischof C h r i s t i an noch sein Landesherr, der Herzog von Masowien Konrad, der in Plock residierte, überwinden. Im Gegenteil, aus dem Kulmer­land fielen die Prußen in Masowien und Polen ein und plünderten diese Länder. Die vom Papst angeregten Kreuzzüge fanden wenig Widerhall und hatten daher keine Erfolge. Die polnischen Fürsten von Masowien, Kujawien und Polen waren uneinig; so konnten die immer wieder einfallenden Prußen große Erfolge erzielen.

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Besonders schwer hatte natürlich das benachbarte Masowien unter den prußi­schen Einfällen, die in der Regel die Weichsel aufwärts vorstießen, zu leiden. Da die eignen Kräfte nicht ausreichten und die übrigen polnischen Teilfürsten versagten, ersuchte Herzog K o n r a d von Massowien schließlich auf Anraten Herzog Heinrich 1. von Schlesien im Jahre 1226 den Deutschen Orden um Hilfe gegen die Prußen.

Hochmeister Hermann von Salza, einer der bedeutendsten Staatsmänner des 13. Jahrhundert stürtzte sich nicht sofort in das Prußische Abenteuer, gewitzt durch die schlechten Erfahrungen in Siebenbürgen vor 10 Jahren, als dort der Ungarkönig dem Orden das eroberte Land abgenommen hatte. Der Hochmeister wollte das Prußenland für den Orden erwerben, gleichzeitig die Prußen christianisieren. Dazu brauchte er den Auftrag und Schutz der obersten Autoritäten der Christenheit, von Kaiser und Papst. Der Hohenstauferkaiser Friedrich II. übertrug in der be­rühmten ,,Goldenen Bullezu Rimini März 1226 dem Deutschen Orden das Kul­merland und alle weiteren Erwerbungen im Prußenland im voraus und nahm diesen Ordensbesitz in kaiserlichen Schutz. In dieser Urkunde gab der Kaiser seine Zu­stimmung zur Eroberung des Prußenlandes kraft kaiserlichen Anrechts auf herrenloses Land und zur Schenkung des Kulmerlandes. Alles eroberte Land sollte der Orden in voller Freiheit und Immunität besitzen; der Kaiser hatte den Orden mit Regalien versehen, den Hochmeister den Reichsfürsten gleichgestellt und damit ein Grundgesetz für den Ordensstaat geschaffen. Dieses gab dem Orden der Kirche gegenüber von vornherein eine sehr viel selbständigere Stellung, als sie die andern Orden wie Johanniter- und Templerorden je innegehabt haben und schützte den Orden gegen oberherrliche Ansprüche von polnischer Seite.

Dann kam der Plan des Hochmeisters ins Stocken. Bischof Christi an von Le­kno und Herzog Konrad von Masowien hatten Bedenken bekommen und grün­deten einen eignen kleinen Ritterorden, die Brüder vom ,,Ritterdienst Christi von Preußen“, deren Mitglieder fast ausschließlich Mecklenburger Ritter waren. Sie trugen auf weißem Mantel ein rotes Schwert und einen roten Stern. Ihre Aufgabe war der Schutz Masowiens vor den Prußen. Daraufhin zögerte Hochmeister Hermann von S a 1 z a  mit dem Eingreifen im Prußenlande.

Da überfielen die Prußen im Jahre 1228 erneut das Gebiet südlich des Kulmer­landes. Nunmehr sah sich der stark bedrohte Herzog von Masowien gezwungen, neue Verhandlungen mit dem Deutschen Orden aufzunehmen. Diese führten schließlich im Jahre 1230 zum Vertrag von Kruschwitz.

In diesem Vertrag übertrug Herzog Konrad von Masowien dem ,,Deutschen Hause“ (= Deutscher Orden) das Kulmerland mit allen Nutzungen, Rechten und Freiheiten und die Burgen Ne s s au und Vogelsang auf dem linken Weichselufer. Er bestätigte auch die Eroberungen des Ordens im Prußenland als autonomen Staat. In diesem Vertrag von 1230 waren die Grenzen im Westen und Süden des Kulmerlandes genau festgelegt, die Angaben der Grenzen nach Osten und Norden, also ins Prußenland hinein fehlten naturgemäß. Über das Prußenland konnte Her­zog Konrad nicht verfügen, da es ihm nicht gehörte. Dieses Land war herrenlos, über dieses heidnische Gebiet konnten nur Kaiser und Papst nach damaliger Rechtsauffassung Bestimmungen treffen.

Hier sei noch erwähnt, daß König K a s im i r von Polen im Friedensvertrag zu Kalisch vom 8. Juli 1343 mit dem Hochmeister des deutschen Ordens Ludolf K ö n i g ,,für alle Zeiten auf Ansprüche auf Pommerellen, das Kulmerland und die Michelau verzichtet“ hat.

Im Jahre 1230 bestätigte der Papst zunächst mündlich dem Deutschen Orden die Ubertragung des Kulmerlandes und des zu erobernden Preußenlandes mit allen Rechten zu ,,ewigem Besitz“; in der ,,Goldenen Bulle zu Rieti“ vom 3. August 1234 bestätigte Papst Gregor IX. die mündliche Zusage vom Jahr 1230.

 

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