Ab 8000 v.d.Z.

      Dickes Nordlandeis, das nach mehrfachem Rückgang - Zwischeneiszeiten immer wieder vorrückte, bedeckte den Boden West- und Ostpreui3ens. Zur gleichen Zeit blieb über mehrere Zehntausende von Jahren Süd- und Mitteleuropa eisfrei;hier entwickelte der diluviale Mensch bereits eine hohe Kultur, wie sie sich u. a. in südfranzösischen und nordspanischen Höhlen (z. B. in der Altamira-Höhle bei Santander in Nordspanien) in eindrucksvollen Felszeichnungen noch heute offenbart.

      Erst nach dem Abschmelzen des gewaltigen Eisgletschers drangen etwa in der ausgehenden Eiszeit (8000-5000 v. Chr.) die ersten menschlichen Siedler von Südosten und Süden her in Masuren ein, als das Klima noch rauh war und Wälder erst allmählich zu wachsen begannen. Auf den weiten Steppen, die damals das Landschaftsbild unserer Heimat beherrschten, jagten sie Hoch- und Niederw;ld, vor allem das Rentier. Aus deren Geweihstangen fertigten sie u.a. einfache Hacken'), wie sie bei Jucha - beiligendes Bild - gefunden wurde. Diese wurde dem Heimatmuseum Lyck übergeben. Eine Hacke gleicher Art war bereits 10 Jahre früher - 1927- aus Bodenschichten im Krutinnafluß bei Niedersee gefunden und dem Prussiamuseum Königsberg zur Verfügung gestellt worden; dieses rechnete die Hacke der Zelt um 4000 v. Chr. zu. Auch bei Neuendorf förderte der Bagger beim Vertiefen der Wasserrinne des Lyckflusses vorzeitliche Stücke aus dem Boden; neben zahlreichen Gefäi3scherben kam eine Hacke aus dem Kronenstück einer Geweihstange sauber bearbeitet zum Vorschein, hier war noch ein rundes Schaftloch eingestanzt.

        Die Menschen der ,, Mittleren Steinzeit" (8000-2500 v. Chr.) betrieben die Jagd, und die Fischerei. Sie ließen sich an bewaldeten Ufern der Gewässer für längere oder kürzere Zeit nieder; waren die Jagdgründe erschöpft, lieferte der Fischfang nur noch geringe Erträge, zogen sie weiter zu neuen Wohnplätzen mit günstigeren Bedingungen für Jagd und Fischfang. Ihre Werkzeuge fertigten sie aus Geweih und Horn zu Lanzenspitzen und Angelhaken oder aus Knochen, wie die bei Jucha gefundene Knochenharpune.

      Sie lernten auch den besonders harten Feuerstein zu bearbeiten und fertigten daraus Pfeilspitzen, Messerchen, Stielspitzen und Schaber, wie Bilder von Gollub zeigen. Im Kreise Lyck hat man einige Werkstätten dieser Geräte gefunden.  Auf der  großen  Insel im Hänselsee  bei Jucha  gefundene Feuersteinsplitter und andere Werkzeuge aus diesem Material übernahm das Königsberger Prussiamuseum; beim Ausbaggern des Mühlenflusses zwischen Hänsel und Reckentsee bei Jucha kamen zahlreiche unbearbeitete Feuersteine, aber auch Klingen, Schaber, Harpunen- und Lanzenspitzen 1935/37 zum Vorschein. Solche Werkstätten wurden auch bei Klaussen, Milucken, in den Dünen des Rennplatzes sowie am Südufer des Lycksees bei Keipern gefunden; eine ,,Feuersteinschlagstelle " hat der Lycker Heimatforscher Adolf Pogoda bei Nußberg am Ufer des Sonntags-Sees 1929 entdeckt. Als weitere Fundstellen bearbeiteter Feuerstein, die auf eine Werkstatt hinweisen sind zu nennen: das Nordufer des Neumalker Sees mit seinen Sandhügeln und das Nordwestufer des Gr. Margen Sees bei Grabnick.

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       In diese Zeit fällt auch der Anfang der Fertigung von Gefäßen aus Ton. Waren die Tongefäße zunächst nur einfache glatte handgefertigte Gefäße, die für den täglichen Gebrauch vorgesehen waren, wurden bald darauf auf diesen schräg verlaufende Kamm- und Tiefstichverzierungen in den weichen Ton eingeritzt. Diese ,,Kammkeramik" genannte Kultur ist neolithisch (3000-1800 v. Chr.) und umfaßte den größten Teil West- und Ostpreußens. Der Historiker Schumacher deutet sie auf die Anwesenheit einer Jäger- und Fischerbevölkerung mit noch recht primitiven Wohnstätten und bezeichnet sie als eine vorindogermanische, finnougrische Kultur mittelsteinzeitlichen Charakters, die aber bereits Einnüsse einer aus Westen kommenden höher stehenden Kultur altnordischen Gepräges verrät. Scherbenreste dieser ,,Kammkeramik"-Kultur wurden an einigen Stellen des.benachbarten Lötzener Kreises zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefunden (Karte von La Baume Nr. 2). Ein Urnenfeld für derartige Tonscherben wurde auch an der Straße zwischen Jucha und Steinberg im Jahre 1930 entdeckt.

        Welcher Rasse diese Menschen der ,,Mittleren Steinzeit" angehört haben, ist nicht festzustellen; dazu sind die Funde, das Ergebnis der Wissenschaft des Spatens, zu gering; es fehlen vor allem Skelettfunde.

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